FFRM - Förderverein Flensburg Regional Marketing

Aktuelles — Kaleidoskop: Weiche Huus in Flensburg-Weiche, Donnerstag, 26.11.2009 um 18.30 Uhr

FFRM_Kaleidoskop: "BLICKwinkel Flensburger Förde & Hafen" (mit BDS) - 'Segel-Tourismus am Flensburg Fjord', 'Masterplan Hafen der Stadt Flensburg' und 'Städtetourismus-Beispiel Nautics'. - Photogalerie

Klaus-Peter Heldt, Vorsitzender des Kreisseglerverbandes Flensburg, Jürgen F. Jensen, General-Manager der Schiffsmakler- und Umschlags GmbH "Christian Jürgensen Brink & Wölfel" und Jürgen Edelhoff, Inhaber von Edelhoff-Events und wasserseitiger Ausrichter der Flensburg Nautics legten beim vergangenen FFRM Kaleidoskop am 26.11.2009 die Sicht aus ihrem jeweiligem Blickwinkel auf den Flensburger Hafen bzw. die Flensburger Förde dar.

Dass das Thema Flensburger Hafen und Förde nach wie vor eine große Aktualität besitzt, bewiesen neben dem öffentlichen Interesse an der Diskussion und der Entstehung des Masterplans der Stadt Flensburg nicht zuletzt auch die Teilnehmerzahl der Veranstaltung.

Gegenüber FFRM Mitgliedern und Gästen nahmen die drei Referenten Stellung zu zentralen Fragen der Hafenentwicklung und legten auch für diejenigen, die nicht tief in der Materie stecken, leicht verständlich die unterschiedlichen Blickwinkel und daraus resultierenden verschiedene Anforderungen und Notwendigkeiten an die Planung und Gestaltung dar.

Die drei Referenten befassen sich alle seit vielen Jahren mit der Thematik, als Betroffene, Beteiligte am Planungsprozess und auch als Mitglieder der BDS Projektgruppe Wirtschaftsverkehr und Hafenentwicklung, die sich seit über 15 Jahren mit der Thematik des Flensburger Hafens bzw. der Flensburger Förde befasst.

"Die Erfahrung der Projektgruppenarbeit im BDS lässt sich nun auf die Projektarbeit am Masterplan übertragen. Auch hier wurde schnell und fast einhellig festgestellt, dass sich Tourismus und Hafenwirtschaft an der Förde nicht ausschließen, sondern ganz im Gegenteil sich sogar ergänzen.", unterstrich Jürgen F. Jensen.

Alle drei Referenten stehen dem Masterplan grundsätzlich positiv gegenüber, da die langjährige Zusammenarbeit gezeigt hat, dass man mehr erreicht, wenn sich alle Betroffenen zusammensetzten und nach einer gemeinsamen Lösung streben.

Zuvor erfolgte die herzliche Begrüßung durch Gernot W. Thomsen, der in seiner Doppelfunktion als Vorstandsmitglied des FFRM und Vorsitzender des BDS Kreisverbandes Flensburg für Stadt und Land gekonnt durch den Abend führte.


linkes Bild: Klaus-Peter Heldt, Vorsitzender des Kreisseglerverbandes Flensburg - rechtes Bild: 'Kapitän, nimm mich mit auf die Reise!'

Flensburger Förde ist schönstes Segelrevier der Welt.

So sehen es zumindest die Leser der größten Wassersportzeitschrift "Segeln", nach deren Wertung am 25. 10. 2009, der begehrte segeln-Award verliehen wurde. Neben dem Ostseebad Glücksburg, das sich von nun an offiziell mit den Auszeichnungen "Deutschlands schönste Küstenmarina" und "Deutschlands beste Segelschule" schmücken darf, wurde Dänemark und damit die nördliche Hälfte der Flensburger Förde zum besten Segelrevier Europas gekürt.

Somit ist nun offiziell, was wir Flensburger schon lange wissen, die Flensburger Förde ist nicht nur ein Ausgangspunkt und Ziel für den Wassersportler, sondern auch touristisch und für die Anwohner ein Juwel.

Doch die Idylle trügt laut Klaus Peter Heldt. Verfügt die gesamte Region (Insel Alsen, Flensburger Förde und Schlei) noch über 9.892 Liegeplätze im Wasser, entfallen auf die 14 Häfen der Flensburger Förde davon nur knapp 26%. Von denen 80% Dauerliegeplätze sind - also Gastseglern nicht zur Verfügung stehen. Betrachtet man die Liegeplätze an Land verschärft sich das Bild sogar noch. Von den insgesamt 7.272 Liegeplätzen können die 14 Häfen der Flensburger Förde nur 16% ihr eigen nennen.

Die Schlei-Region ist der Flensburger Förde dabei in allen Punkten weit voraus. "Die höchste Konzentration an Winterlagerkapazitäten im Verhältnis zu den Liegeplätzen im Wasser ist an der Schlei zu finden. Hier gibt es auch die größte Ansiedelung von maritimen Gewerbebetrieben."

Wir (Segler) sind auch maritime Wirtschaft

Die maritimen Dienstleister sind ein Auswahlkriterium bei der Entscheidung für einen Gasthafen - genauso wie die touristische Attraktivität.

Der durchschnittliche Segeltourist ist durchschnittlich 55 Tage im Jahr an Bord seines Schiffes. Er segelt in erster Linie zur Entspannung, aber auch das Entdecken der Region und der Genuss der schönen Landschaft sind wichtige Motive. Er und seine im Schnitt 1,6 Mitreisenden lassen für Verpflegung und Liegeplatz jeden Tag 52€ in ihrem Gasthafen. Hinzu kommen noch Ausgaben für Dienstleistungen am Schiff sowie der Einkaufsbummel durch die Gaststadt.

Zwei Drittel der Häfen erwarten eine starke Zunahme der Nachfrage nach Gastliegeplätzen, wobei sich die Nachfrage vor allem auf Winterlager beziehen dürfte.

Die Schlei Region hat dieses Potenzial erkannt und hat mit Port Olpenitz zukunftsweisend darauf reagiert. Auch in Flensburg ist dieses Potenzial bekannt, bestätigt der Vorsitzende des Kreisseglerverbandes Flensburg. "Wir haben genügend Anfrage, wir haben nur keine wassernahen Flächen um Liegeplätze, vor allem ein Winterlager, anzubieten. Und wenn tatsächlich um eine Fläche verhandelt wird, können wir die Investitionen in z.B. Kräne nicht auf uns nehmen, wenn nur Planungssicherheit für die nächsten fünf Jahre besteht."

Zum Schluss seines Vortrages fasste Herr Heldt noch einmal kurz und prägnant zusammen worum es eigentlich geht: "Ich glaube Segelsport ist Wirtschaft. Denn fehlt der Kunde im Flensburger Hafen, fehlt auch der Kunde in der maritimen Wirtschaft. Wenn wir es mit dem Masterplan der Stadt Flensburg nicht schaffen, hier für Voraussetzungen zu sorgen, die die nächsten 15 Jahre Planungssicherheit für die maritime Wirtschaft und den maritimen Tourismus gewährleisten, profitiert letztendlich nur einer - eine andere Region."

Neue Grenzziehung - neue Probleme?

Herr Jensen, ebenfalls Mitglied der BDS Projektgruppe und der Projektgruppe zur Erstellung des Masterplans, nahm den Blickwinkel der hafengebundenen Wirtschaft ein. Dabei gelang es ihm den Existenzkampf der Hafenwirtschaft lebendig und spannend nachzuzeichnen, der die Entwicklung eines Masterplans erst erforderlich machte.


linkes Bild: Hans-Jürgen Edelhoff hört aufmerksam zu, denn - rechtes Bild: Schiffsmakler Jensen ist ein profunder Kenner des Hafens.

Der Grundstein für die jetzige Situation des Hafens wurde bereits 1920 gelegt. Zwei Jahre nach Beendigung des I. Weltkrieges verlor Flensburg durch die Abstimmung und neue Grenzziehung zwischen Dänemark und Deutschland einen bedeutenden Teil seines wirtschaftlichen Hinterlandes. Diese Entwicklung traf den Hafen Flensburgs, einstmals der größte Hafen des Königreichs Dänemark, äußerst schwer. Die traditionellen Wirtschaftsverbindungen nach Norden wurden auf unabsehbare Zeit gekappt. Im Süden Jütlands entstanden neue Häfen, bzw. wurden alte Häfen ausgebaut, die den Part von Flensburg übernehmen sollten und das auch getan haben.

Zu diesem Zeitpunkt bestand das Hafengebiet noch aus der gesamten Kailänge vom jetzigen Kraftwerkskai auf dem Westufer bis hin zum Ende des alten Harniskais und wurde fast ausschließlich für die Fördeschifffahrt und den Güterumschlag genutzt.

In den darauffolgenden Jahren hat der Flensburger Hafen eine große Entwicklung durchgemacht, er war eine Zeitlang Freihafen und besaß vorübergehend Tankanlagen. Doch auch diese hielt sich nur bis in die späten 70er Jahre. "Und damit bin ich schon bei dem langsamen Erosionsprozess, der dazu führte, dass immer mehr Kaianlagen einer anderen Nutzung zugeführt wurden", führte Jürgen F. Jensen aus. Mitthilfe einer von Herrn Jensen als "Salami-Technik" bezeichneten Vorgehensweise veränderte sich die Nutzung des Westufers langsam aber stetig in Richtung Umnutzung, Wohnen.

Brach liegende Flächen wurden durch nicht wassergebundene Betriebe weiter genutzt, der Verfallprozess der Kaianlagen setzt sich seit dem fort und erreicht mittlerweile einen Punkt, der sofortige Maßnahmen zur Sicherung und Sanierung erfordert.

Als die "Salami-Technik" schließlich unter dem Stichwort "Arbeiten und Wohnen am Wasser" auch vor dem Ostufer nicht mehr Halt machte, wurde den hafenabhängigen Wirtschaftsbetrieben die Bedrohlichkeit der Situation bewusst. "Von nun an läuteten bei den Betrieben die Alarmglocken", machte der General-Manager der Schiffsmakler- und Umschlags GmbH "Christian Jürgensen Brink & Wölfel, deutlich.



Und obwohl die Politik und Verwaltung laufend betonte, dass für den Wirtschaftshafen keine Gefahr bestehe, wurden Investitionen immer häufiger zurückgestellt. Andere Betriebe, die bisher über den Flensburger Hafen ihren Warenverkehr abwickelten, suchten sich daraufhin neue Wege. Ihnen fehlten vor allem Perspektive und Planungssicherheit.



Von der "Salami-Technik" zum Masterplan

Nach der Auflösung des Tanklagers am Ostufer wurde der südliche Ballastkai mit den Kailagerschuppen I und II der gewerblichen Wirtschaft entzogen und für "Gastronomie und Wohnen" sowie "Arbeiten am Wasser" freigegeben. Es entstand das Werftkontor. Dazu Jürgen F Jensen: "Damit rückte dieser Bereich in bedrohliche Nähe des Futtermittelwerkes der Hauptgenossenschaft, genauer gesagt: direkt an die Grundstücksgrenze. Da sich Hafenumschlag und Industrie nicht vollständig emissionslos betreiben lässt, entstand eine ausgesprochen gefährliche Situation für die noch vorhandenen Betriebe." Zeitgleich mehrten sich die Stimmen aus Verwaltung und Politik, die Hafenanlagen nun auch noch von Norden her zu beschneiden.

Die Situation der hafenabhängigen Wirtschaft wurde durch die sich ständig verstärkenden Drucksituation immer schwieriger, es fehlte jegliche Planungssicherheit, die Pachtverträge für Schuppenanlagen und Flächen wurden nur noch auf Jahresbasis verlängert und die Abwanderung von Kunden des Hafens wurde immer wahrscheinlicher.

"Trotzdem ist es auch in dieser Zeit gelungen, durch beharrliches Arbeiten und Überzeugungsarbeit den Großteil der Kunden zu halten und sogar neue Kunden zu gewinnen, die mit den bereits vorhanden Protagonisten an die Zukunft des Hafens, an ‚from road to sea' und damit an das sichere, preiswerte und umweltfreundliche Transportmittel Schiff glaubten.", führt Herr Jensen weiter aus.

Durch diese intensive Überzeugungsarbeit konnten auch Flensburger Politiker dahingehend informiert werden, dass es eine sichere Zukunftsperspektive für den Flensburger Hafen gibt. Um diese Strömungen zu bündeln und daraus etwas zu entwickeln, das die jahrzehntelang währende Planungsunsicherheit beendet, entstand aus der Politik die Idee zur Entwicklung eines Masterplans Hafen, der alle interessierten Bürger, Anlieger, Betriebe, Verwaltung und Politik zusammenführen soll und unter Berücksichtigung der Interessen Aller eine klare Linie für den Gesamthafen Flensburg für die Zukunft schaffen soll.

Ob so eine klare Leitlinie geschaffen werden konnte, bleibt abzuwarten. Der Endbericht steht noch aus. Im Workshop zeigte sich jedoch, dass wirtschaftliche und touristische Interessen sich nicht ausschließen oder kanibalisieren. Ein Miteinander ist demnach möglich. Unterschiedliche Nutzungen machen einen Hafen lebendig

Flensburg Nautics

"Hafenwirtschaft will nicht Tourismus und Tourismus will nicht Hafenwirtschaft verdrängen", mit diesen Worten leitete Jürgen Edelhoff seinen Vortrag ein. Erst die unterschiedlichen Nutzungen machen die Lebendigkeit eines Hafens aus, so der wasserseitige Veranstalter der Flensburg Nautics weiter. Die Flensburg Nautics, Flensburg größtes Hafenfest, ist Nachfolger der erfolgreichen Sail 2000, die allgemeine Begeisterung und einen hohen Verlust hervorrief. Anke Edelhoff, ebenfalls Edefhoff Events und Herman Stell, damaliger Bürgermeister, verabredeten, dass das Konzept der Sail 2000 nicht verloren gehen solle. Schnell fand sich Michael Reinhardt als Partner für das landseitige Programm und die zweijährig stattfindenden Flensburg Nautics waren geboren.

Die Beteiligung der Bürger erfolgt durch die Einbindung von Vereinen und Verbänden sowie regionalen Unternehmen, die sich durch Aktivitäten, Präsentationen, kulturelle oder musikalische Beiträge oder durch Sponsoring einbringen. Dabei sprechen die Flensburg Nautics neben Seglern, Familien, Einkaufstouristen, Vereinen, Verbänden und Unternehmen auch körperlich benachteiligte Menschen zu ihrer Zielgruppe, deren unterschiedlichen Anforderungen z.B. durch Barrierefreiheit, Vorgaben an die Standbesitzer, Verwendung von Piktogrammen oder Vorabbegehung der Festfläche mit Betroffenen, Rechnung getragen wird.

Die Besucherzahlen liegen zwischen 300.000 und 400.000 und die Veranstalter sind optimistisch diese Zahl auch bei den vierten Flensburg Nautics zu erreichen. Dabei zeige sich Flensburg den Besuchern als "leistungsfähiger Wirtschaftsraum und als interessanter Erlebnisraum mit maritimer Kompetenz", so Jürgen Edelhoff. Doch der Wirkungsgrad der Flensburg Nautics geht weit über die Besucherzahlen hinaus. Mit 546 Artikeln und Berichten in Printmedien, 15,3 Million Pressekontakten laut DMA und zusätzlichen Onlineberichten schaffen es die Flensburg Nautics das positive Image und den Bekanntheitsgrad der Stadt nachhaltig zu erhöhen, zu stärken und zu sichern.


linkes Bild: Gernot Thomsen (FFRM, BDS) als 'Host' des Abends - rechtes Bild: Hans-Jürgen Edelhoff wirkt klein neben seinem grossen Erfolg, den Flensburg Nautics.


Die überregionale Ausstrahlung der Veranstaltung und die enormen Image- und Werbeeffekte lassen sich nicht zuletzt an den Besucherzahlen ablesen, bei denen ca. 40 Prozent Tagesausflügler und weitere ca. 4 Prozent Übernachtungsgäste darstellen. Laut IHK gibt jeder Besucher durchschnittlich 21,50 € aus. Damit ergibt sich bei einer Besucherzahlen von 300.000 ein Gesamtumsatz von 6.450.000 €. Damit kommt den Flensburg Nautics neben der touristischen auch eine wirtschaftliche Funktion zu. Davon profitieren neben den Standbetreibern vor allem Gastronomie, Lebensmittel Einzel- und Großhandel, Getränkehandel, Brauerei, Schlachtereien, Bäckereien, Einzelhandel inner- und außerhalb der Innenstadt und nicht zuletzt über die Gewerbesteuer auch die Stadt.

Das Programm der Flensburg Nautics 2010 steht bereits und die bekannten Highlights aus den Vorjahren, wie die SAIL IN Hafenparade und die Lampionfahrt am 13.08.2010, die Regatta am 14.08.2010 und die Auslaufparade am 15.08.2010 sind fest terminiert.

Auch die Schiffe, die den Flensburgern in den letzten Jahren besonders ans Herz gewachsen sind, wie unter anderem Artemis oder die Swaensborgh, haben sich bereits angekündigt.

Die Teilnahme an der Veranstaltung kann jetzt schon in den Vorverkaufsstellen gesichert werden, denn wer bereits Weihnachten eine Karte verschenke, verschenke nicht nur eine Bordkarte, sondern auch fast 8 Monate Vorfreude, schloss Jürgen Edelhoff seinen Vortrag.

Einladung als .pdf

Photogalerie

Links:

Urlaubsregion Flensburg Fjord

Stadt Flensburg - Masterplan Flensburger Hafen

Flensburg Nautics 2010

 

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